Naswar: Definition, Herkunft, Wirkung und Inhaltsstoffe

Naswar

Naswar ist eine Art von Oraltabak, die vor allem in Süd- und Zentralasien verbreitet ist. Bei Naswar, auch Nasvay oder nur Nas genannt, handelt es sich um eine pulverisierte und angefeuchtete Mischung aus Tabakblättern, Asche, Löschkalk und Aromastoffen. Zum Konsum werden kleine Mengen Naswar für einen längeren Zeitraum in der Wange oder unter der Oberlippe getragen. In einigen Regionen wird er auch gekaut. Wie Snus oder Dipping Tobacco wird Naswar für Nikotinzufuhr, als Genuss- oder Heilmittel konsumiert.

Was für eine Art Tabak ist Naswar?

Naswar ist ein Oraltabak, er wird also in den Mund genommen, ohne geraucht zu werden. Damit ist er dem Snus, Dipping Tobacco und Kautabak verwandt. Naswar wird allerdings nur selten gekaut, sondern wird meistens für 15 bis 30 Minuten in der Wange oder unter der Oberlippe gehalten. Bei Naswar, mitunter auch Nasvay genannt, handelte es sich um pulverisierte und befeuchtete Tabakblätter, die in der Regel mit Löschkalk, Asche und Aromastoffen versetzt wurden.

Woher kommt Naswar?

Naswar ist vor allem in Zentral- und Südostasien verbreitet. Naswar wird in Afghanistan, Iran, Pakistan, Indien und Süd-Afrika konsumiert. Die pakistanischen Städte und Bezirke Bannu, Dera Ismail Khan, Charsadda und Mohmand sowie die afghanische Stadt Herat sind für die Naswar-Produktion bekannt.

Welche Geschichte hat Naswar als rauchloser Tabak?

Naswar hat eine lange Geschichte als rauchloser Tabak, der vor allem in Afghanistan und angrenzenden Ländern in als grünes Pulver konsumiert wird. Naswar kam allerdings bereits im 15. Jahrhundert auch nach Europa, als es von dem spanischen Mönch Ramon Pane importiert wurde. 1561 ließ der französische Botschafter in Portugal, Jean Nicot, Naswar an Catherine de’ Medici schicken, um die Migräne ihres Sohnes zu heilen. Nach Jean Nicot wurde eine Tabakpflanze benannt, von der wiederum der Begriff Nikotin stammt.

In der jüngeren Vergangenheit wurde Naswar auch unter russischen Jugendlichen beliebt. 2013 wurde der Nas-Verkauf in Russland allerdings verboten. Überhaupt greifen Verbote im 21. Jahrhundert immer stärker um sich. Turkmenistan war 2008 das erste Land, das Naswar verbot. 2015 folgte ein Naswar-Verbot in Kasachstan. Im August 2018 schließlich klassifizierten alle arabischen Ländern den Oraltabak als Droge und verboten ihn effektiv.

Wer konsumiert Naswar als rauchlosen Tabak?

Naswar wird als rauchloser Tabak von verschiedenen Bevölkerungsschichten aus verschiedenen Gründen konsumiert. Einige schreiben Naswar eine medizinische Wirkung zu und nehmen oder verabreichen es, um Schmerzen zu lindern. Andere schätzen seine belebende Wirkung und nehmen es als Rausch- oder Genussmittel. Als solches wurde es Anfang des 21. Jahrhunderts unter russischen Jugendlichen populär, wo es auf Märkten verkauft wurde. In den asiatischen und afrikanischen Ländern, in denen es nicht verboten ist, wird es meist von Händlern angeboten, die auch Zigaretten und Sonnenblumenkerne verkaufen. Naswar-Nutzer sind überwiegend Männer.

Wie wird Naswar konsumiert?

Naswar wird ähnlich wie Snus oder Dipping Tobacco konsumiert.

  1. Naswar-Pulver bei Bedarf portionieren.
  2. Naswar-Pulver in der Wange oder unter der Oberlippe platzieren. (Regional wird er auch gekaut.)
  3. Warten, bis der Nikotin-Effekt einsetzt.
  4. Nach 15 bis 30 Minuten Naswar wieder ausspucken.

Warum ist Naswar grün?

Die charakteristische grüne Farbe bekommt Naswar von natürlichen oder künstlichen Farbstoffen, die dem Tabakpulver beigemischt werden. Diese Farbstoffe haben nicht nur einen rein ästhetischen Zweck, sondern können auch dazu beitragen, die Qualität oder den Geschmack des Naswars zu verbessern. Diese Farbstoffe stellen in der Regel kein zusätzliches Gesundheitsrisiko dar. Dennoch ist Naswar-Konsum, wie der Konsum aller anderen Tabakprodukte auch, stets mit enormen Gesundheitsrisiken verbunden.

Wie wird Naswar hergestellt?

Die Naswar-Herstellung unterscheidet sich von Region zu Region. Hier findest du einen vereinfachten Überblick.

  • Tabakblätter werden geerntet und an der Sonne getrocknet.
  • Der Tabak wird manuell oder maschinell in feines Pulver gemahlen, um eine gleichmäßige Textur zu erzielen.
  • Zum gemahlenen Tabak werden verschiedene Zutaten hinzugefügt, darunter Wasser, Aromastoffe und Calciumoxid (Kalk). Letzteres wird oft verwendet, um den pH-Wert zu erhöhen und die Nikotinaufnahme zu erleichtern.
  • Die Zutaten werden gründlich miteinander vermischt und geknetet, um eine homogene Masse zu erhalten. Während dieses Prozesses kann auch die gewünschte Farbe (in der Regel Grün) hinzugefügt werden.
  • Die Naswar-Masse wird in kleine Portionen aufgeteilt und zu Kugeln, Kissen oder anderen Formen geformt.
  • Diese fertigen Naswar-Portionen werden in spezielle Verpackungen aus Kunststoff oder Pergament gelegt, um sie frisch zu halten und vor Feuchtigkeit zu schützen.
Macht Naswar süchtig?

Ja, der Konsum von Naswar macht süchtig. Wie andere Tabakprodukte auch enthält Naswar Nikotin. Nikotin ist ein Giftstoff, der schnell süchtig macht. Eine physische und psychische Abhängigkeit davon sind die Folge. Bei einem Nikotinentzug ist mit erheblichen Entzugserscheinungen zu rechnen. Das ungestillte Verlangen nach Nikotin kann zu Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Gewichtzunahme, Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, Angst und Depressionen führen.

Ist Naswar dasselbe wie Dissolvables?

Nein, Naswar und Dissolvables oder Dissolvable Tobacco (löslicher Tabak) sind nicht dasselbe. Bei Dissolvables handelt es sich um Tabakprodukte in Form von kleinen Tabletten, Sticks, Streifen oder Beuteln, die sich im Mund auflösen. Obwohl sie ähnlich eingenommen werden wie Naswar, Snus und andere Oraltabake, müssen sie nach dem Konsum nicht ausgespuckt werden. Dissolvables sind eine relativ neue Entwicklung aus den USA, während Naswar schon seit Jahrhunderten in Südost- und Zentralasien sowie einigen afrikanischen Ländern konsumiert wird.

Was sind die möglichen Nebenwirkungen des Naswar-Konsums?

Der Naswar-Konsum kann einige schwerwiegenden gesundheitliche, ästhetische und gesellschaftliche Nebenwirkungen haben.

  • Nikotinsucht: Da Naswar Nikotin enthält, kann langfristiger Konsum zu einer starken Nikotinabhängigkeit führen.
  • Mund- und Zahnprobleme: Zu den Mund- und Zahnproblemen, die Naswar verursachen kann, gehören Zahnfleischreizungen, Mundgeschwüre, Karies, Zahnfleischentzündungen und Zahnverfärbungen.
  • Mundkrebs: Die Chemikalien im Tabak sowie die Verwendungsart von Naswar erhöhen das Risiko, an Mundkrebs zu erkranken.
  • Verdauungsprobleme: Naswar kann bei einigen Menschen Verdauungsprobleme wie Sodbrennen oder Übelkeit verursachen.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Jede Form von Tabakkonsum ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.
  • Schwindel und Übelkeit: Der hohe Nikotingehalt in Naswar kann bei Menschen mit niedriger Nikotintoleranz Unwohlsein auslösen.
  • Mundgeruch: Der Geruch von Naswar kann sehr stark sein und zu schlechtem Atem führen.
  • Soziale und wirtschaftliche Auswirkungen: Der Konsum von Naswar kann soziale und wirtschaftliche Auswirkungen haben, da er finanzielle Ressourcen bindet und gesellschaftliche Beziehungen belasten kann.

Was verursacht Naswar im Mund?

Zu den schwersten Schäden, die Naswar im Mund verursachen kann, gehört der Mundkrebs. Daneben sind auch Zahnfleischreizungen, Mundgeschwüre, Karies, Zahnfleischentzündungen und Zahnverfärbungen möglich. Studien haben unter leichten und moderaten Naswar-Konsumenten eine Zahnfleischrückgangsrate von rund 14 Prozent festgestellt. Bei häufigen Nutzern lag die Rate über 23 Prozent.

Welche Auswirkungen hat Naswar auf die geistige Gesundheit?

Naswar kann sich negativ auf die geistige Gesundheit auswirken. Wie jedes Tabakprodukt enthält Naswar Nikotin, das stark körperlich und geistig abhängig machen kann. Der Entzug von Nikotin kann Symptome wie Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und Depressionen auslösen. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass der langfristige Konsum von Nikotinprodukten wie Naswar das Risiko für Depressionen erhöhen kann. Nikotin kann die Gehirnchemie beeinflussen und Stimmungsschwankungen auslösen. Darüber hinaus kann Naswar die kognitive Funktion beeinflussen, einschließlich Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Denkprozesse. Dies kann dazu führen, dass Menschen, die Naswar verwenden, Schwierigkeiten bei der Konzentration und beim Lernen haben. Auch psychiatrische Störungen wie Schizophrenie werden mit Nikotin in Verbindung gebracht.

Was ist in Naswar enthalten?

Die genaue Zusammensetzung von Naswar variiert von Hersteller zu Hersteller und Produkt zu Produkt. Hier sind einige der häufigsten Inhaltsstoffe.

  • Tabak: Tabak ist die Hauptzutat in Naswar. Der Tabak kann aus verschiedenen Tabaksorten stammen und wird in der Regel zu feinem Pulver gemahlen.
  • Calciumoxid (Kalk): Calciumoxid, auch als Kalk oder gebrannter Kalk bezeichnet, wird Naswar hinzugefügt, um den pH-Wert des Tabaks zu erhöhen. Dies erleichtert die Freisetzung von Nikotin und ermöglicht eine schnellere Aufnahme durch die Schleimhäute im Mund.
  • Aromastoffe: Naswar kann verschiedene Aromastoffe enthalten, um den Geschmack zu verbessern und das Produkt ansprechender zu gestalten. Diese Aromastoffe können von Anis bis zu Minze reichen.
  • Wasser: Wasser wird oft verwendet, um die Zutaten in Naswar zu mischen und die gewünschte Konsistenz zu erreichen.

Wie lange bleibt Naswar im Körper?

Das im Naswar enthaltene Nikotin hat eine Halbwertszeit von zwei Stunden. Das heißt, nach zwei Stunden ist die Hälfte des Nikotins abgebaut. Die stimulierende Wirkung von Naswar setzt normalerweise innerhalb weniger Minuten nach der Anwendung ein und erreicht ihren Höhepunkt in etwa 15 bis 30 Minuten. Diese Wirkung kann einige Stunden anhalten und dann allmählich nachlassen.

Wo wird Naswar verkauft?

Naswar wird hauptsächlich in bestimmten Regionen von Südasien und Zentralasien verkauft. Diese Regionen umfassen Länder wie Pakistan, Afghanistan, Indien, Tadschikistan, Usbekistan sowie andere Teile dieser geografischen Regionen. Oft wird Naswar auf Tabletts angeboten. Die entsprechenden Händler verkaufen häufig auch Zigaretten und Sonnenblumenkerne.

In den letzten Jahren wird in vielen Ländern der Verkauf von Naswar immer stärker eingeschränkt. Turkmenistan war 2008 das erste Land, das Naswar verbot. 2015 folgte ein Naswar-Verbot in Kasachstan. Im August 2018 schließlich klassifizierten alle arabischen Ländern den Oraltabak als Droge und verboten ihn so.

Inwiefern lassen sich Naswar und Schnupftabak vergleichen?

Naswar und Schnupftabak sind insofern vergleichbar, als es sich bei beiden Produkten um Tabakprodukte handelt, die eine ähnliche, aufputschende Wirkung haben. Naswar und Schnupftabak, auch Snuff genannt, enthalten beide Nikotin, weshalb ihr Konsum zu geistiger und körperlicher Nikotinabhängigkeit führen kann.

Ansonsten entscheiden sich Naswar und Schnupftabak stark. Bei Naswar handelt es sich um angefeuchtete Tabak, der oral konsumiert wird. Schnupftabak wird durch die Nase eingezogen. Im Gegensatz zu Schnupftabak muss Naswar nach der Benutzung wieder ausgespuckt werden. Diese Benutzung dauert auch deutlich länger. Naswar wird 15 bis 30 Minuten im Mund behalten, während Schnupftabak schnell konsumiert wird und schnell seine Wirkung entfaltet.

Der Geruch und Geschmack von Naswar und Schnupftabak können stark von Produkt zu Produkt variieren. Diese Komponenten hängen vor allem von den verwendeten Aromastoffen ab. Naswar wird häufig mit Anis und Minze versetzt.

Kann Naswar Krebs verursachen?

Ja, Naswar kann Krebs verursachen. Der Konsum von Naswar ist mit einem erheblichen Risiko für Mundkrebs, Kehlkopfkrebs und andere Krebsarten im Kopf- und Halsbereich verbunden. Dies liegt an den gesundheitsschädlichen Chemikalien im Tabak und den Zusatzstoffen, die in Naswar enthalten sind und über die Mundschleimheute aufgenommen werden. Die lange Verweildauer der Naswar-Portionen im Mund begünstigt die Aufnahme dieser Giftstoffe. Das Krebsrisiko wird auch durch den Kalk im Naswar erhöht, der die Mundschleimheute reizen kann. Studien haben gezeigt, dass Naswar-Nutzer ein zwanzigfach höheres Risiko haben, an Mundkrebs zu erkranken, als Nicht-Naswar-Nutzer.

Gibt es Naswar nur in Afghanistan?

Nein, Naswar gibt es nicht nur in Afghanistan. Allerdings ist Afghanistan eines der Länder, in der Naswar besonders populär ist. Naswar wird auch im Iran, Pakistan, Indien und Süd-Afrika konsumiert. Zeitweise war es auch in Russland populär.

Gibt es in Afghanistan noch andere Arten von rauchfreiem Tabak?

Ja, in Afghanistan gibt es noch andere Arten von rauchfreiem Tabak oder Tambaku, wie das afghanische Wort für Tabak lautet. Piriki zum Beispiel ist eine Art von Kautabak, der normalerweise durch Kauen und Einspeicheln verwendet wird. Diese Art von Oraltabak wird in unterschiedlichen Formen angeboten. Samsam ist dem Piriki verwandt, wird ähnlich konsumiert und besteht aus gemahlenem Tabak und anderen Zutaten.